Noch 500+ km nach Hause

Von Pia und Werner geht es am letzten Tag nach Hause. Da Werner aufgrund des Bremsschadens an der E-Glide noch Kurvendefizit hat, begleitet er mich noch über „kurvenreiche“ Landsträßchen durch den Schwarzwald, über St. Blasien bis nach Donaueschingen. Die restlichen Kilometer Landstraße bis nach Ulm und dann über die Autobahn nach Hause.

Kurz nach Ulm erwischt mich doch noch ein heftiges Gewitter für eine viertel Stunde. Bis zu Hause sind die Klamotten fast wieder trocken.

530 km an diesem Tag

Der neue Roadcaptain hat das Wort

Am Morgen zuerst einmal den Körper zufriedenstellen – frühstücken und dann die Route besprechen. So schnell wie möglich in die Schweiz, wo es Benzin in Fülle gibt. Das Wallis ist ein guter Ausgangspunkt für die weitere Tour. Aber ärgerlich, wenn unterwegs sich die Vorderbremse nicht mehr löst und sie immer stärker zu bremsen anfängt. Wir werden wohl die Übernachtung im Wallis schleifen lassen und durchfahren. So ohne Vorderbremse 400+km zu fahren ist nicht ohne und so bleibt uns nichts anderes als die Autobahn zu nehmen. Albertville, Grenoble sind schnell hinter uns und dann über die Pässe in die Schweiz. Eine Vignette am Zoll gekauft für die Buell und dann die Serpentinen runter nach Martigny. Fahren ohne Vorderbremse ist machbar und so entscheiden wir uns die stinklangweilige Autobahn nicht zu nehmen. Schon geht es über den Col de la Croix ins Berner Oberland. Diese Passstrasse ist zwar unschweizerisch grauenhaft schlecht – dafür sind aber die Berge und die Aussicht grandios. Wir lassen die mondänen Orte Gstaad und Sarnen hinter uns und sausen das Simmental hinunter (gute Strasse). Die Autobahn bringt uns nach Biel und dann geht es quer durch den Jura nach Liesberg. Leider haben wir keine Zeit etwas von diesem Juwel für die Motorradfahrer zu geniessen, es ist schon spät am Nachmittag – es muss wohl ein anderes Mal sein. Wir verabschieden Sigi, er will direkt nach Hause; er wird da erwartet und hat wohl genug von uns 😉 .

Pia erwartet uns auch – ich bringe das Motorrad zu Claude (unser Mechaniker) wo sich Berny und er noch über seine Buell S1 (White Lightning ) unterhalten. Nachtessen auswärts und nach einem Glas Wein geht’s in die Heia – „guet Nacht zäme und schloofet guet“.

Statistik:

Gefahren:  430 km

Pässe: 5

Fahrzeit: 9 bis 19 Uhr mit 2 X tanken und einer Kaffeepause

Kurven: viele – Reifen sind auf der Seite abgefahren 😊

Fazit:  wieder ein schöner Tag!

Werner

Ardeche – Galibier

Das mit der Wurst zum Frühstück müssen die Franzosen noch lernen. Ich mag nicht alles süß am Morgen.
Das Wetter scheint nach dem Aufstehen nicht so erfolgversprechend zu werden. Nach dem Frühstück blauer Himmel. Die Mitteilung vom Römer, dass wir Frankreich schnell verlassen sollten, da wegen eines Streiks das Benzin an den Tankstellen langsam ausgeht, stimmt nachdenklich. Tatsächlich steht an der nächsten Tankstelle schon eine lange Schlange. Wir fahren weiter. Die nächste wegen Benzin/Dieselmangel schon geschlossen. An der dritten tanken wir voll. Straßenauswahl nach Gap bietet nicht sehr viele Alternativen. Aber schöne Strecke durch ein Tal mit langgezogenen Kurven. Der Roadcaptain gibt ordentlich Gas. 1800 ccm bringen halt doch ordentlich Drehmoment. Das mit den Tankstellen wechselt sich wie oben beschrieben über die ganze Strecke ab. Kaffeepause in Gap. Nochmal im Internet überprüft: der Galibier Pass ist tatsächlich seit heute morgen geöffnet. Also ersmal nach Besancon und dann den Galibier rauf auf 2500 und ein paar Meter. Bestes Wetter. Ordentlich Restschnee. Das ist ein Alpenpanorama! Fotos und Filmen und den Telegraph Pass auf der anderen Seite wieder runter. Im Skigebiet Valoier dazwischen ist alles zu. In der Ortschaft unterhalb des Telegraph Passes kann ich mich an eine Unterkunft vor ein paar Jahren mit Hans erinnern. Gut so, denn es ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit. Ein österreichisches Pärchen mit zwei Motorrädern folgt uns. Zwei Zimmer noch frei – alles gut. Das Abendessen gestaltet sich schwierig. Von einer der wenigen noch vorhandenen Kneipen zur nächsten – kein Essen. Nur Flüssiges. Restaurants haben alle aufgegeben. Der Supermarkt ist sie letzte Rettung. Wir kaufen Brot, Salami, Mortadella, Geflügeleberpastete, Käse, Bier und Wein und nehmen unser Abendessen mangels anderer Alternativen auf einer Parkbank ein. Abends noch mit dem österreichischen Pärchen im Hotel schön unterhalten.
Fotos gibt’s erst morgen, da Internet sehr schlecht.

Wenn drei Engel reisen…

…dann ist blauer Himmel, angenehm sommerliche Temperatur und eine Traumlandschaft.
Und – ER IST WEG – der nervige Wind, der mich seit Tagen wieder begeitet.
Um 9 Uhr zum gemeinsamen Frühstück in Millau mit Werner und Sigi getroffen. Ab jetzt gibt’s einen neuen Roadcaptain. Werner programmiert sein Tomtom Navi quer durch die Cevennes. Diese Routen findet anscheinend niemand, denn wir sind fast alleine auf diesen Sträßchen unterwegs. Im Gegensatz zu Hans’s Garmin Navi gibt es bei Tomtom offensichtlich den Modus ‚extrem kurvenreich‘. Da stehen dann auch Warnschilder „Danger, Most difficult“ am Wegesrand. Diese Option 200 km ist nicht für jeden geeignet – uns gefällts.image

image

image

image

image

image

image

Ein Tankstop mit kurzer Pause – weiter in die Ardeche Schlucht. Diese letzten 50 km sind keine Spitzkehren mehr. Erstaunlich wie sich die schwere Electraglide und Roadking vor mir halten. Die beiden Kampfrentner 2 und 3 müssen da schon deutlich mehr tun wie ich auf meiner 200 kg Buell.image

image

image
Ein paar Fotos von der Schlucht, ein schönes Abendessen (handgeschnittenes Tartare mir Salat und Pommes) – ein perfekter Tag.
image
image

image

image

Kurventag

Ohne Frühstück geht es über kleinste Landstraßen, mehr oder weniger Luftlinie, bis nach Carcassonne. Hier regnet es kurz. Ich habe die Kurven nicht mehr gezählt.image

image

image

image

Carcassonne wird als alte, ursprüngliche Stadt immer gepriesen. Da habe ich schon schönere,
mittelalterliche Städte gesehen (Tallin z.B.). Kaffee und ein Schokohörnchen für 4€ als verspätetes Frühstück – hat es in Spanien für 2,50€ gegeben.
image

image

image

image

image
Der kalte Wind bläst weiterhin so stark, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe die Ulysses auf den engen Sträßchen zu halten. Es wird immer kälter auf dem Weg nach Millau.image

image

image

Auf einem 1000 m hohen Pass sind es maximal noch 7 Grad. Mich friert’s trotz langärmligen Tshirt und Jackenwinterfutter. Ich denke an Günter, der bei 30 Grad am Strand sitzt. Trotz teilweise schwerer Bewölkung und nassen Straßen schaffe ich die insgesamt 340 km lange Kurvenstrecke ohne groß nass zu werden. Auf den kleinen Sträßchen kommen mir immer wieder richtg alte Rolls Royce entgegen. Bestimmt 12 dieser seltenen Oldtimer.
imageimage

Gaudi und Dali

Ohne Frühstück schleiche ich mich von meinen noch schlafenden Airbnb Gastgebern weg. Am Sonntag um 8 Uhr bin ich in der City von Barcelona – alleine. Schlafen auch noch alle hier. Herrlich so eine menschenleere Megacity. Eine tolle Stadt. Ein Glück,  dass man nicht nach 36 Aufnahmen den Film wechseln muss. Die 32 GB Speicherkarte langt für ein paar Fotos mehr.image

image

image

image

Es ist leicht bewölkt und für die Motorradkluft angenehm kühl – zunächst. Der Stadtbummel wird wohl doch so 8 km gewesen sein. Vom Hafen, die Ramblas hoch bis zum Plaza … rechts ab bis zur Sagrada Familia. Ein geniales Bauwerk von Antoni Gaudi.image

image

image

image

Als ich über das Castle und die Kathedrale zum Motorrad gegen 11 Uhr zurückkomme wimmelt es von Touris.image

image

image

Nichts wie weg hier. An der Küste entlang image

über Lloret de Mar bis nach Figueres gefahren. Sehr viel Verkehr. Dort noch das Museum von Salvador Dali besichtigt.image

image

image

image

image

image

Ein weiteres Highlight des Tages. Auf dem Weg nach Perpignan gibt es Sturmböen und Gewitter mit tiefschwarzen Wolken. Ich schaffe es bis auf ein paar Tropfen ins Hotel bevor es losgeht.

Kilometer fressen

Nach reichhaltigem Frühstück haben Günter und ich uns verabschiedet. Er fährt in Richtung Marokko und ich heute bis kurz vor Barcelona. 810 km sind es bei mir geworden. Und – ER IST WIEDER DA – der kühle starke Wind begleitet mich wieder ab Valencia, den ich so seit der Superrally vermisst habe. Vor Valencia schafft es dann tatsächlich eine Biene oder Wespe durch die winzige Öffnung in meinen rechten Ärmel und hinterlässt ihren Stachel in meinem Arm. Ist aber nicht so arg angeschwollen. Kurz vor dem Ziel in Casteldefel gab es tatsächlich noch 20 km kurvenreiche Küstenstraße. Leider sehr viel Verkehr. Fotos gibt’s verständlicherweise keine. War ja auch keine Zeit.image

Fazit des Kampfrentners

Ich hatte mal eine ‚blöde Idee’…fahr doch mal 2-3 Monate mit dem Mopped in den Süden. Da ergab sich die Möglichkeit zumindest den Hinweg nicht alleine machen zu müssen. Bis zur Harley Superrally in Alcaniź mit Hans, Stefan und Arden (der hat’s ja leider nicht ganz geschafft) Zwischenstop bei Manni und Chrissi (War super bei Euch…) und ab Andorra mit Berny weiter. Den Reiseverlauf hat Berny ausreichend geschildert. Mir bleibt nur wieder zu sagen, mit was für dufte Typen ich fahren durfte und ich es ausreichend genossen habe.
P.S. Hans, Dein ‚Kurvennavy‘ hätte mit unserer teilweisen Fahrstrecke evtl. kapituliert. Ich werde die gefühlten ( gezählten?) 1 Mio Kurven erstmal an der Küste etwas egalisieren.
Gruß Günter
image

Sierra Nevada

In der Früh liegt erstmal mein Moped auf der Seite. Hat vermutlich der Straßenreiniger umgeworfen, da die zerbrochene Flasche, welche zwischen unseren Mopeds lagt, weg war. Zum Glück außer einem verbogenen Bremshebel nichts weiter passiert.
Zur Sierra Nevada brauche ich nicht viel sagen. Super Wetter, super Landschaft, super Straßen.
Von Granada auf die Autobahn nach Süden. Ausfahrt Lanjaron auf die 348ger Südseite Sierra Nevada. Gleich danach Abzweigung in die Berge bei Orjiva.image

image

image

image

image

image

Trevelez drei herrliche Kaffee’s getrunken für 3,40€ zusammen. Weiter die A4135. Der Pico da Veleta ist nur von der Nordseite zu befahren und muss gecancelt werden. Sie letzten 50 km bis Almeria auf der 348ger sind dann relativ geradeaus. Heute etwas trüb trotz fast wolkenlosen Himmel. Wind kommt aus Afrika. Sieht aus wie Saharastaub. Passendes Zimmer dort für 34€ inkl. Frühstück für Beide bereits am Tag zuvor gebucht. Ich habe keine Lust vor Ort am Abend das Suchen anzufangen. Am Strand bei fast 30 Grad noch ein letztes Bierchen zusammen getrunken. Kleines Vesper mit der letzten Flasche Rioja zusammen auf dem Zimmer.